Der Büttel


Ruth Knecht

 

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern: Wie der Büttel mit dem Fahrrad durchs Dorf fuhr, seine Glocke schwang, stehenblieb und rief:

 

 

"Heute Abend um 6 Uhr wird in der Gfriere Kuhfleisch verkauft! Das Pfund kostet 2 Mark 50. Die Mitglieder des Vereins..." Meistens erkundigte sich meine Mutter, vom wem die notgeschlachtete Kuh stammte, auch wollte Sie wissen, ob es eine alte oder junge war. Wir Kinder wurden dann mit einer großen Schüssel Richtung Gemeinschaftsgefrier- und Kühlhaus losgeschickt um Siedfleisch mit Knochen zu kaufen. Meine Mutter kochte Suppe daraus. Später setzte ich diese Tradition fort. Für meine Familie machte ich mit Vorliebe Rindfleisch mit Meerrettichsoße. Der Büttel ist längst gestorben - es war der Alkohol - und "wildes Fleisch" gibt es auch nicht mehr zu kaufen. Ich dachte lange Zeit nicht mehr darüber nach. Erst als das häßliche Wort BSE auch bei uns in aller Munde war, ist mir die Geschichte wieder eingefallen. Du meine Güte, dachte ich mir, was haben wir da bloß gegessen?