|
Die Onanie-Gesellschaft: Volkssport & anale Fase Enno Stahl
Wichsen ist materieller Narzissmus. Das, was in der Welt eh passiert, legt hier Hand, nimmt hier Formen an. Wichsen ist cool. Es beamt dich direkt auf einen anderen Planeten, der komplett dir gehört. Dort ist alles warm, weich & saftig: wie ein frisches Spanferkel von innen: wie ein blonder Vanillepudding kurz vorm Erstarren: wie ein Isotank, der alle andern Einfälle tilgt. Die Annehmlichkeit rührt daher, dass man ganz in sich selbst verharrt: als autopoetisches System... Autark, sicher, versagensfrei. In der Welt wird diese Erfahrung suggestiv umgesetzt: Frauen & Männer basteln ihren Entwurf, so dass er fugenlos passt: in sich funktioniert, d.h. an allen Ecken & Enden liebenswert ist. Wohin du auch schaust, findest du nichts als Schönheit: gedankliche, spirituelle, körperliche Schönheit. Alles, was ich sage, ist so geil. Das allein ist wichtig, ich muss nichts hören, nichts sehen - außerhalb dessen, was mein & von mir ist. Dies gilt es zu bewahren, zu reproduzieren, vielfach zu replizieren, zu klonen. Alle Selbstentäußerungen werden zu einer Struktur, deren Essenz immer dieselbe ist: jeder Zellkern enthält die Information: ICH. MEIN. MIR. Diese Strukturen dienen zur Regulierung des Alltags: zur Sektion der gegenständlichen Welt: zur Erzeugung von Zeit. Auch der Gebrauch der Oberfläche unterstreicht diese Grundinfo: etwas wird, ist, gefällt - an mir, durch mich, wegen mir. Monade. Ist der Anfang, das Nervenzentrum einer Welt aus Fortsätzen. Genealogie des eigenen Denkens & Empfindens: sie verästelt sich in kapillaren Systemen, die letztlich so was wie meine Gliedmaßen sind. Umgekehrt muss ich alles behalten, alles. Was aus mir raus kommt, was mir gehört, muss ich bei mir behalten, ist es doch durch den Kontakt mit mir geadelt: unikalisiert: Midas-Touch... Eifersüchtig werde ich es bewachen & konservieren: alle sind so - die gesamte Gesellschaft befindet sich in der analen Fase. Sie (jede/r einzelne) möchte ihre Köttelchen für sich allein: seien es Worte, fesche Formen oder Erotik. Das ist so geil. Gleichfalls Selbstbefriedigung. Jedes, was da raus kommt, ist erneut Bestätigung: unterstreicht die Richtigkeit des Richtigen. Da Reden vor allem Monolog ist, nämlich das, was ich sage, ist der beste Dialog der mit dem Computer: denn er ist nichts als mein Spiegel. Auch in sexueller Hinsicht kann man das so sehen: ich trete ein in diesen Raum, er ist warm, weich & saftig: produziert wird er in meinem Kopf. Der perfekte Befriedigungsraum ist Cyber, hier dupliziert sich der clevere Onanist - erlebt den Orgasmus materiell und gleichzeitig in projizierter Form auf der ‘Hirnscreen´. Möglich, dass die stoffliche Ebene irgendwann wegfällt. Nicht weiter schlimm: die Schnittstelle gewährleistet eine ‘Connection´ zu gleichartigem Sex-Niveau: schafft neue & mehr Dispositionen: indem Fantasien hier umgesetzt werden - in Realität. Die körperlichen Begrenzungen hören auf: schrankenloser Selbstverkehr. Alles, was "in echt" nicht geht oder erlaubt ist, wird Tatsache.
Auch die Materie wird innovativ erweitert: genetische Optimierung, körperechte Prothesen - 2, 3 Schwänze/Mösen gleichzeitig stimulierbar: Kombinationen aus Mösen & Schwänzen, Männer & Frauen verstehen sich besser, gleichen sich an, Unterschiede verschwimmen, verschwinden, werden überflüssig - wobei bereits Verstehen überflüssig ist, denn alle sind in sich abgeschlossene Einheiten: wir sind Sonden der Lustrelationen: gut/schlecht für mich. Das entscheidet jede/r für sich selbst und das lastet aus zu Genüge. Wie anheimelnd z.B. die Meditation über den eigenen Bauchnabel, stundenlang kann ich das tun. Und mich herum sind alle genauso beschäftigt: in sich hinein lauschend: konzentriert & staunend. Ich bin so ein Wunderwerk! In meiner Einmaligkeit! Eine Gesellschaft aus Wunderwerken: stumm stehen sie da: gehen in sich & wichsen. Millionen, Milliarden von Einzelstücken, Monaden. Wichsen, als ginge ‘s um die WM. Geht es auch: höher, schneller, weiter! Klatsch! Sprotz! Zlatsch!
|