Von Jägern und Sammlern


Die Nahrungskette der Neuzeit, von M.Kirchner

Geprägt von den Errungenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts in Technik und Industrie sieht sich der (westliche) Mensch heutzutage als zivilisiert und fortgeschritten an.

Kontrovers dazu muß ein Teil der Menschen hungern, ein anderer Teil labt sich an den Früchten der grausamen Massentierhaltung.

Am Beispiel Rindfleisch zeigt sich, daß rund zehn Kalorien in Form von Getreide an das Mastvieh verfüttert werden, um eine Kalorie für den Fleischesser zu erzeugen. Konkret: 90% des Nährwertes bleiben auf der Strecke! Von der Abholzung des Regenwaldes und den klimatischen Verschlechterungen ganz zu schweigen.

Ist unser Fortschritt also auch auf ethisch-moralischer Seite zu verzeichnen? Wie unterscheiden wir uns von den Wilden, den Jägern aus der Frühzeit? Man sagt, der Urzeitmensch habe irgendwann begonnen, Aas zu essen, und später Waffen gebaut, Tiere gejagt und getötet. Ob es ihm überhaupt permanent möglich war, sich gegen starke Wildtiere wie Säbelzahntiger und Mammut durchzusetzen? Auf jeden Fall aber war er ein Sammler von dem, was ihm die Natur aus dem Pflanzenreich beschert hat. In heutiger Zeit gibt es das Fleisch bequem im Supermarkt zu kaufen, portioniert und eingeschweißt, ohne Blut und Schlachten. Allerdings sind chemische Zusätze, Angsthormone und BSE nicht ausgeschlossen. Über letzteres ist ja jetzt schon fast Gras gewachsen – zur Freude der Fleischindustrie!Doch eine andere Klientel trägt wohl noch die Veranlagung aus grauer Vorzeit in sich: Deutsche Jäger töten nach eigenen Angaben täglich 13.000 Tiere!

Die Jagd ist allerdings kein angewandter Naturschutz, sondern Tötungsmanier in Bestform! Dem hingegen regelt sich in einem funktionellen Natursystem alles von selbst. Feldstudien von Ökologen haben ergeben, daß die Tierwelt über eine Art inneren Mechanismus verfügt, welcher die Population regelt. Gibt es zu viele Tiere einer Art, wird die Geburtenrate gesenkt.

Es ist davon auszugehen, müßte Otto-Normalbürger das Tier selber jagen und erlegen, ausbluten lassen, abziehen und ausnehmen, gäbe es wohl einen sprunghaften Anstieg an Vegetariern.

Glaubwürdige Studien zeigen, daß sich Vegetarier und sogar Veganer, welche gar keine tierichen Produkte zu sich nehmen, bester Gesundheit erfreuen. Fleischverzehr dagegen wird mit einer ganzen Reihe von Krankheiten in Verbindung gebracht.

Der Mensch wird vielfach als „Gemischt köstler" betrachtet. Doch bei genauerer Betrachtung fällt auf, daß die Natur uns im Gegensatz zum Raubtier nicht mit Klauen und Reißzähnen ausgerüstet hat, wir eine relativ schwache Magensäure haben und unser Darm seinen Inhalt nur langsam hinausbefördert. Denn das lange Verdauungsorgan mißt etwa das sechsfache unserer Körpergröße, beim Wildtier nur das dreifache. Fleisch, welches übrigens keine Ballaststoffe enthält, verwest sehr schnell, auch wenn es sich im Verdauungssystem befindet!

Weiterhin frißt das Raubtier seine Beute komplett auf, nicht nur Fleisch, sondern auch Blut, Haut bzw. Fell, Eingeweide sowie der Magen-/Darminhalt werden verspeist.

Der Mythos vom Fleisch als wichtiger Proteinlieferant hält sich nur bedingt gegenüber neuen medizinischen Erkenntnissen. Tieri-ches Eiweiß kann im menschlichen Stoffwechsel nur teilweise verwertet werden. Ausgewogene pflanzliche Kost kann unseren – oft zu hoch empfohlenen – Proteinbedarf ohne weiteres decken.Ist es nicht an der Zeit, umzudenken?

Schon seit langem verkünden auch Dichter und Denker, daß die Tiere empfindungsfähige Wesen sind, welche genau wie wir den Schmerz spüren und ein Recht auf Freiheit und Leben haben.

„Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt."

Mahatma Ghandi

(Indischer Politiker, 1869 - 1948)

 

Quellennachweis:

Vegetarisch leben – Die Notwendigkeit fleischloser Ernährung (Govinda Verlag, Zürich 1993), Von Jägern und Gejagten (Faltblatt Nr.14, Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V., Aachen 1999), Der Lust-Töter (Verlag Das Brennglas, Kreuzwertheim 2001)

Kontakt: TiK – Tierrechtsinitiative Köln,

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